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Architektur

Mit dem architektonischen Konzept von ModeNatie und dem MoMu wurde die Architektin Marie-José Van Hee aus Gent von einer Architektenkommission beauftragt. Sie beschreibt das Projekt so:

„Das beeindruckende Eckhaus zwischen Nationalestraat und Drukkerijstraat wurde 1910 im Auftrag der Antwerpener Gasgesellschaft gebaut. Rund um einen dreieckigen Innenpatio entstand das Bürogebäude. Im Erdgeschoss befand sich ein offener Präsentationsraum, in dem schlanke Metallsäulen das Bild des Interieurs bestimmten.

Im Laufe der Jahre erlitt das Interieur drastische Änderungen. Die einschneidensten stammten aus den 60er Jahren (1965-1967), als das Gebäude eine beschützende Werkstatt wurde. Aufzüge und Fluchttreppen wurden hinzugefügt genauso wie eine Zwischendecke im Erdgeschoss. 1977 wurde die beschützende Werkstatt um die in der Drukkerijstraat 9 & 15 gelegenen Gebäude erweitert. Es ist ein Bau mit schwerer Balkenstruktur und niedrigen Deckenhöhen.

Die Möglichkeit diesem Baudenkmal eine neue Bestimmung zu geben, fügt sich zum Bestreben, der unmittelbaren Umgebung einen sinnvollen Impuls zu geben. Das Verknüpfen einer Reihe einzelner aber gleichzeitig ineinander übergreifender Bestimmungen ist der Ausgangspunkt des Projekts. Nach den Umbaumaßnahmen beherbergt dieses große Gebäude: Das ModeMuseum Provincie Antwerpen (MoMu), die Mode-Akademie, das Flanders Fashion Institute, ein Forum und einen Konferenzsaal, Büros, einen Buchladen und eine Brasserie. Dieses Zusammenspiel gewährleistet, dass dieses Gebäude eine permanente Dynamik ausstrahlt.

Zur Verwirklichung aller Anforderungen war erforderlich, alle Einbauten zu beseitigen, die den künftigen reibungslosen und logischen Ablauf behindern oder unmöglich machen. Das Gebäude Drukkerijstraat 15 mit seiner einschränkenden Struktur wurde abgetragen und der dreieckige Innenkern bis zum Kellergeschoss freigelegt. Aus organisatorischen Gründen konnte die bestehende Betontreppe nicht erhalten werden. Durch die Entfernung der Zwischendecke im Erdgeschoss wurde die ursprüngliche hohe Räumlichkeit wieder hergestellt. Das Zusammen- vor allen Dingen aber auch Übereinanderbringen der neuen Bestimmungen hatte große Auswirkungen auf die Möglichkeiten der Innenaufteilung. Dabei mussten auch die umfangreichen hohen Sicherheitsvorschriften berücksichtigt werden. Innen wurden zwei neue Fluchttreppen angebracht.

Zur optimalen Anpassung des Gebäudes an die angrenzende städtische Struktur entschied man zu Gunsten eines neuen, breiten horizontalen Durchbruchs, einer Verbindung der Nationalestraat und der Drukkerijstraat. Diese Lösung betonte deutlich die Eingänge ins Gebäude: Außerdem ist die Helligkeit ein besonders wichtiger Aspekt bei der Verwirklichung der Sicherheitsauflagen.
Das Zusammenfügen der Funktionen ergab einen großen zentralen Raum, ein Atrium, in dem auch Treppen und Aufzüge Platz finden. Es ist eine räumliche Einheit von der verschiedene Plattformen abgehen. Bei der Unterbringung der Treppe wurde versucht, dem Raum möglichst große Dynamik zu geben. Das Ganze wurde als eigenständige Tragstruktur innerhalb der bestehenden Gebäudestrukturen entworfen und wird vollständig in Merbau-Holz ausgeführt.
Vom zentralen Atrium ist im Erdgeschoss auch Aussicht auf einen kleinen Patio. Bei der Entwicklung des Atriums, das als großes Rückgrat des Gebäudes fungieren soll, wurde dem Thema des einfallenden Tageslichts ganz besondere Aufmerksamkeit geschenkt.

Die ebenerdige Halle mit Empfangsschalter ist an der einen Seite in Verbindung mit dem Forum, den abschließbaren Konferenzräumen und an der anderen Seite, um den Patio herum, mit den pädagogischen Räumen für Workshops und der Galerie. Gleichzeitig ist auch eine Verbindung zu der Garderobe und den Sanitäranlagen in den Kelleräumen. Beide Treppen und ein Lift führen zur ersten Plattform im Atrium, die Zutritt zur offenen Empfangshalle mit Schleusen des MoMu auf der ersten Etage gibt.

Die Ausstellungsräumlichkeiten rund um das Atrium sind nach innen gerichtet. Das Interieur des MoMu wird durch den Rhythmus der Säulen und der Fensteröffnungen in den beiden langen Fassadenwänden bestimmt. Eine größtmögliche Freiheit wurde angestrebt, um unterschiedlichste Zurschaustellungen und Präsentationen zu ermöglichen. Diese helle Aufteilung lässt die Einführung der technischen Aspekte, die derartige museal genutzte Räume erfordern zu. Der imposante Raum am Kopf bekommt seinen ursprünglichen Zustand und seine doppelte Raumhöhe wieder. Die Dauerausstellung ist in der White Box, im abgesenkten Teil an der Drukkerijstraat untergebracht.

Die Plattform auf der zweiten Etage gibt Zugang zu vier Funktionen. Erst einmal die wissenschaftliche Bibliothek mit dem dazugehörenden Archiv und dem öffentlichen Lesesaal. Dann die Verwaltungsbüros des MoMu und ein Büro für die Verwaltung des Flanders Fashion Institute. Über eine Seitenpassage gelangt man in den Gemeinschaftsraum aller Mitarbeiter des Komplexes, das sogenannte „Agora“.

Die letzte und höchste Plattform im Atrium führt zur Mode-Academie. Die Räume der Modedesigner befinden sich rund um das Atrium an einem Gang entlang. Die Wände der Räume sind deckenhohe parallele Schirme. Über die Treppe im Akademie-Agora erreicht man das gemeinschaftliche Atelier, eine Art Penthouse, das in Richtung Norden orientiert ist und eine weite Aussicht auf die Stadt bietet.

Die Sammlung des MoMu wird als autonomes Teil (Organ) im siebenstöckigen Gebäude der Drukkerijstraat 9 untergebracht.

Es wurde beschlossen, das äußere Erscheinungsbild des Gebäudes so intakt wie möglich zu erhalten. Jeder auffällige Zusatz wurde vermieden und jede Anpassung erhöht die Ausdrucksfähigkeit des Bestehenden. Die hervorstechende Kuppel am Kopf wurde restauriert.

Die beiden langen Straßenfassaden behalten ihren Rhythmus. Nur der neue breite Eingang zum zentralen Atrium wird durch zwei Gittertore aus Stahl markiert, die offen ein elegantes Vordach ergeben. Die Wahl fiel auf ein feines horizontales Vordach und ein Stabgeländer über den Fenstern der dritten Etage.

All diese punktuellen, kleinen Eingriffe in die Fassade sollen dazu beitragen, die starke kompositorische Qualität des bestehenden Gebäudes zu unterstreichen. Die geplanten Eingriffe im Inneren und auch außen ergeben sich aus Lösungen für diesen Komplex, die beim ersten Betrachten sehr zurückhaltend erscheinen. Der respektvolle Umgang mit unserem historischen Erbe verlangt von uns, mit dem Bestehenden so umzugehen, dass das Endergebnis fast selbstverständlich wird, selbst bei weitreichenden Eingriffen. Fast so als würde der Umbau durch die bestehende Struktur aus der Vergangenheit diktiert. Umbauen ist mehr als nur die Neuordnung von Flächen, festgelegt durch ein Anforderungsprogramm. Es ist vielmehr eine Suche nach Wegen, das im Gebäude verborgene Potential ans Licht zu bringen.“

Planungsteam

Architekt:
Marie-José Van Hee

Mitarbeiter:                
Dirk Goyens
Shin Hagiwara
Filip Reumers
Tania Vandenbussche
Dietlinde Verhaeghe
Wim Voorspoels 

in Zusammenarbeit mit Bureau Bouwtechniek    
Projektverantwortlicher:
Jan Moens

Projektleiter:
Leslie Burm 

Statikingenieur:
Dirk Jaspaert 

Mitarbeiter:
Rolf Vansteenwegen 

Technischer Ingenieur:
Jan D'hondt 

Mitarbeiter:
Johan Suykens 

Akustikingenieur:
Bureau Technum, afd. Geräusch und Vibrationen: Patrick Poncelet